„Zu dumm für Mathe“: Schüler ärgern sich über Arbeitsagentur
Stand: 15.09.2026, 18:39 Uhr
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Manche Jugendliche sind von den Vorschlägen der Berufsberatung frustriert. Die Bundesagentur für Arbeit erklärt, wonach sie Berufe empfiehlt.
Hamburg – Viele Jugendliche nehmen an den Beratungen teil, die die Bundesagentur für Arbeit (BA) an Schulen anbietet. Auf Social Media tauschen sich Schülerinnen und Schüler darüber aus, wie die Gespräche ablaufen. Dabei scheinen viele Beratungen eins gemeinsam zu haben: Viele Jugendliche berichten, dass ihnen von einem Studium abgeraten wurde und ihnen stattdessen Ausbildungen nahegelegt wurden. „Laut der Beraterin soll ich statt Psychologie oder Jura lieber eine Ausbildung machen“, schreibt eine Jugendliche in einem Beitrag auf Tiktok.

Eine andere Person schreibt, dass auch den Jugendlichen auf ihrem Gymnasium „nur Angebote für Ausbildungen“ vorgeschlagen worden seien. „Die Beraterin sagte mir indirekt, dass ich zu dumm für Mathe sei und lieber eine Ausbildung machen soll. Ich studiere jetzt Informatik.“ Ein Jugendlicher berichtet, dass er bei der Berufsberatung angegeben habe, dass er nach dem Abitur gern Wirtschaft studieren würde – der Berufsberater hätte ihm allerdings Ausbildungsplätze in der Pflege und zum Straßenbauer gezeigt. „Ich habe gesagt, dass ich nebenbei Klavier spiele, mir wurde dann Kirchenmusiker als Hauptberuf angeboten“, schreibt eine weitere Person auf TikTok über ihre Berufsberatung.
Bundesagentur für Arbeit: Junge Menschen werden über reale Ausbildungschancen informiert
Woher kommt der Eindruck vieler Jugendlicher, entweder nischige Empfehlungen – wie Kirchenmusiker oder Glasbläserin – zu bekommen, oder dass sie lieber eine Ausbildung statt eines Studiums absolvieren sollen? Einige äußern in den Kommentaren sogar die Vermutung, dass die Berufsberaterinnen und -berater „versuchen, Lücken am Arbeitsmarkt zu schließen“. Wir haben bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) nachgefragt, was hinter der Theorie steckt. „Die Vermittlung von Informationen über die aktuellen und zukünftigen Bedarfe des Arbeitsmarktes stellt einen wichtigen Aspekt dar, der auch von jungen Menschen und ihren Erziehungsberechtigten häufig nachgefragt wird“, sagt eine Sprecherin der BA der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.
Die BA stehe in engem Kontakt mit Arbeitgebern und Branchenvertretern, um sich über aktuelle Trends und Bedarfe zu informieren. Diese aktuellen Informationen über den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt würden dann in den Beratungsgesprächen an die jungen Menschen weitergegeben, um ihnen „alle Möglichkeiten und Alternativen“ aufzuzeigen. Gerade bei jungen Menschen gehe es um eine Balance zwischen individuellen Interessen, Fähigkeiten und Rahmenbedingungen einerseits und den realen Beschäftigungs- und Ausbildungschancen andererseits.
Regionale Chancen fließen in die Beratung ein
Auch die Frage, wo ein Ausbildungsplatz überhaupt verfügbar ist, fließe in die Beratung mit ein: Ein Beruf kann in einer Region gute Zukunftschancen bieten, während es anderswo kaum Stellen gibt. Deshalb informiere die BA gezielt über regionale Unterschiede – etwa darüber, „welche Berufe aktuell gefragt sind und wo Fachkräfte fehlen“.
Ist der Wunschberuf am Wohnort nicht verfügbar, müssten Jugendliche deshalb jedoch nicht gleich umziehen oder ihre Pläne aufgeben: „Bei regionalen Passungsproblemen werden junge Menschen zu Fördermöglichkeiten wie dem Mobilitätszuschuss oder der Berufsausbildungsbeihilfe beraten, damit die Aufnahme einer passenden Ausbildung nicht von lokalen Begebenheiten erschwert wird“, erklärt die Sprecherin der BA.
Demnach spielen tatsächlich nicht nur persönliche Interessen eine Rolle in der Beratung, sondern es fließen verschiedene Faktoren ein. Besonders die Zukunftsfähigkeit sei ein Punkt, der von jungen Menschen selbst häufig thematisiert werde, berichtet die Sprecherin. „Ein Beruf kann heute sehr gefragt sein, sich aber durch technischen und wirtschaftlichen Wandel stark verändern, und umgekehrt.“
Einige Jugendliche fragen sich, welche Unterschiede die Beratung in den verschiedenen Schulformen macht. Die Sprecherin erklärt, dass die berufliche Orientierung individuell gestaltet sei, deshalb würden auch die angestrebten Schulabschlüsse junger Menschen berücksichtigt werden. Grundsätzlich soll die Beratung dabei stets klischeefrei und gendersensibel erfolgen: Tradierte Vorstellungen zu einzelnen Berufen würden bewusst hinterfragt, um das Berufswahlspektrum junger Menschen zu erweitern und sie für gängige Klischees zu sensibilisieren. (Quellen: TikTok, eigene Recherche)