Mehr KI, mehr Chaos? Berater enthüllen, wie Technologie Entscheidungen nicht immer leichter macht

Zu viele Daten, zu wenig Entscheidungen: Warum KI Unternehmen auch lähmen kann

Stand: 16.07.2026, 19:31 Uhr

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KI liefert immer mehr Daten – aber wer trifft die richtigen Entscheidungen? Warum Produktivität künftig weniger vom Ort als vom „Wie“ der Arbeit abhängt.

Berlin – In zahlreichen Branchen verändern sich die Gespräche über Arbeit, während Organisationen mit neuen Erwartungen umgehen. Homeoffice-Verbote sorgen zwar für Schlagzeilen, aber nationale Arbeitsmarktdaten zeigen, dass hybride und Remote-Modelle stabil bleiben. Parallel dazu befeuern neue Technologien die Debatte über die Struktur von Arbeit. Es gibt neue politische Vorschläge, die Unternehmen dazu anregen, Arbeitszeiten, Sozialleistungen und die langfristige Personalplanung zu überdenken. Gleichzeitig macht die Forschung zu Burn-out deutlich, dass das Wohlbefinden der Beschäftigten ein zentrales Thema für Führungskräfte bleibt. Produktivitätsdebatten konzentrieren sich dadurch zunehmend nicht nur darauf, wo Menschen arbeiten, sondern auch darauf, wie Arbeit organisiert ist.

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com.

Die Beratungsagentur Quail Group ist überzeugt, dass eine weitere Dimension der Produktivität mehr Aufmerksamkeit verdient. Die Agentur hat sich auf organisatorische Ausrichtung, operative Verbesserung, Verhaltensänderung und Datenstrategie spezialisiert. Durch die Arbeit mit Teams in Großunternehmen hat die Quail Group beobachtet, dass Mitarbeitende und Führungskräfte häufig erhebliche Zeit darauf verwenden, Entscheidungen zu treffen, die sich durch ein stärkeres operatives Design vereinfachen ließen. Aus Sicht der Beratung hängt Produktivität möglicherweise weniger vom physischen Arbeitsort ab, sondern stärker davon, wie Organisationen Menschen dabei unterstützen, im Arbeitsalltag fundierte und konsistente Entscheidungen zu treffen.

Zwei junge Menschen blicken auf Bildschirme mit KI-Chatbots.

KI kann Unternehmen bei der Entscheidungsfindung lähmen. © picture alliance/Michael Brandt

Diese Sicht entspricht einem breiteren Wandel, den das Team in der Leistungsbewertung von Organisationen beobachtet. „Aktivität ist sehr sichtbar, und damit meine ich Meetings, Nachrichten, Dashboards und Projekt-Updates. Aber sichtbare Anstrengung zeigt nicht immer, ob Menschen Entscheidungen treffen, die die Arbeit voranbringen“, sagt Joe Malucchi, Mitgründer von Quail Group. Da digitale Plattformen immer größere Mengen an Informationen erzeugen, interpretieren Mitarbeitende häufig Berichte, gleichen widersprüchliche Kennzahlen ab und entscheiden, welche Signale vor einer Handlung relevant sind. Quail Group stellt fest, dass jede zusätzliche Entscheidung kognitive Kapazität verbraucht, die sonst Zusammenarbeit, Innovation und Umsetzung unterstützen könnte.

KI-Falle: Wenn Aktivität Produktivität vortäuscht

„Organisationen verfügen oft über mehr Informationen als je zuvor, doch Informationen werden erst dann nützlich, wenn Menschen sie selbstbewusst mit einer konkreten Entscheidung verknüpfen können“, sagt Zar Sewell, Mitgründerin der Beratung. „Jeder Bericht, jedes Dashboard oder jede KI-generierte Erkenntnis sollte jemandem helfen zu verstehen, was als Nächstes kommt. In dieser Verbindung beginnt der operative Wert zu wachsen.“

Künstliche Intelligenz erhöht die Komplexität. Quail Group stellt fest, dass KI den Zugang zu Informationen erweitert, Analysen innerhalb von Sekunden erstellt und mehrere Wege zur Erledigung von Aufgaben anbietet. Dennoch warnt das Unternehmen, dass mehr Optionen Entscheidungsprozesse nicht automatisch vereinfachen. Führungskräfte können mehrere plausible Empfehlungen erhalten, Mitarbeitende vergleichen Ergebnisse über verschiedene Plattformen hinweg, und Teams verbringen Zeit damit, Alternativen zu beurteilen, bevor Arbeit vorankommt. Nach Einschätzung von Quail Group erhöht Technologie in vielen Fällen die Zahl der verfügbaren Optionen, überlässt es aber den Organisationen, zu bestimmen, welche dieser Optionen am besten zu ihren Zielen passen.

Mit diesen sich wandelnden Rahmenbedingungen scheint Kontextwechsel zu einem bedeutenden operativen Faktor geworden zu sein. Quail Group beobachtet, dass Wissensarbeitende im Laufe eines einzigen Tages zwischen Kommunikationsplattformen, Projektmanagement-Systemen, Reporting-Tools, Tabellenkalkulationen, KI-Anwendungen und Meetings wechseln. Das Unternehmen betont, dass jeder Übergang von den Mitarbeitenden verlangt, den Kontext neu aufzubauen, bevor sie ihre Arbeit fortsetzen. Auf Dauer können diese wiederholten Wechsel die Aufmerksamkeit verringern, die für höherwertige Tätigkeiten wie Problemlösung, Zusammenarbeit und langfristige Planung zur Verfügung steht.

Sewell ist überzeugt, dass Organisationen profitieren können, wenn operative Systeme unnötige geistige Anstrengung verringern. Sie sagt: „Menschen bringen wertvolle Erfahrung, Urteilsvermögen und Kreativität in ihre Arbeit ein. Sorgfältig gestaltete Prozesse ermöglichen es, dass diese Stärken dort wirken, wo sie am wichtigsten sind, indem sie Alltagsentscheidungen erleichtern und Teams helfen, mit gemeinsamen Prioritäten verbunden zu bleiben.“

Bessere Entscheidungen statt KI-Lärm als neues Produktivitätsziel

Organisationen, die ihre Produktivität verbessern wollen, könnten daher davon profitieren, zunächst die Gestaltung ihrer Entscheidungsumgebung zu untersuchen, bevor sie zusätzliche Technologie einführen. Quail Group beginnt häufig damit, die Fragen zu identifizieren, die Teams nur schwer konsistent beantworten können. Diese Fragen können aufzeigen, wo Prozesse, Berichterstattung und Verantwortlichkeit im Laufe der Zeit auseinandergedriftet sind. Von dort aus arbeiten Beraterinnen und Berater mit der Führungsebene und Mitarbeitenden an vorderster Front zusammen, um Erfolgskennzahlen zu definieren, Reporting-Strukturen zu stärken, Arbeitsabläufe zu dokumentieren und die Kommunikation zu verbessern, sodass Informationen zeitnahe Entscheidungen in der gesamten Organisation unterstützen.

Malucchi weist darauf hin, dass diese Arbeit lange bevor Dashboards oder KI-Tools ins Spiel kommen, beginnt. „Technologie wird deutlich wertvoller, wenn das operative Fundament bereits gute Entscheidungsfindung unterstützt“, sagt er. „Klare Zuständigkeiten, gut definierte Prozesse und verlässliche operative Signale helfen Menschen, weniger Zeit mit der Validierung von Informationen zu verbringen und mehr Zeit damit, diese praktisch anzuwenden.“

KI schafft Optionen – aber keine Klarheit

Diese Philosophie prägt auch die Sichtweise von Quail Group auf die Leistung von Organisationen. Das Team ermutigt Führungskräfte, zu prüfen, ob bestehende Kennzahlen in erster Linie sichtbare Aktivitäten erfassen oder ob sie auch die Qualität der Entscheidungen widerspiegeln, die teamübergreifend getroffen werden. Ein voller Terminkalender oder ständige digitale Kommunikation können auf Engagement hinweisen, doch diese Indikatoren allein liefern möglicherweise nur ein unvollständiges Bild der Wirksamkeit. Kennzahlen, die mit Entscheidungszyklen, Zuständigkeiten, Umsetzung und Geschäftsergebnissen verknüpft sind, können tiefere Einblicke darin geben, wie Arbeit sich von der Strategie bis zur Umsetzung entwickelt.

Mit der Weiterentwicklung von KI-Fähigkeiten rechnet die Quail Group damit, dass sich die Debatten über Unternehmensführung von der reinen Einführung von Technologie hin zur Gestaltung von Umgebungen verlagern, in denen Technologie menschliches Urteilsvermögen ergänzt. Dieses Ziel umfasst die Etablierung konsistenter KPI-Definitionen, die Verbesserung der Datenqualität, die Schaffung einer gemeinsamen operativen Sprache und die Unterstützung der Mitarbeitenden beim Verständnis, wie Informationen mit ihren alltäglichen Aufgaben verknüpft sind. Wenn diese Elemente zusammenspielen, lassen sich KI-generierte Erkenntnisse leichter beurteilen, weil Teams größeres Vertrauen in den operativen Kontext haben, der sie stützt.

Zukunft der Arbeit in Zeiten von KI: So funktioniert nachhaltiger Fortschritt

Sewell betont, dass die Beteiligung der Mitarbeitenden in diesem Prozess eine wichtige Rolle spielt. „Menschen, die der täglichen Arbeit am nächsten sind, erkennen oft, wo Entscheidungen unnötig schwierig werden“, sagt sie. „Diese Perspektiven in die operative Gestaltung einzubeziehen, schafft Möglichkeiten, Arbeitsabläufe zu vereinfachen und gleichzeitig die Verantwortungsübernahme in der gesamten Organisation zu stärken.“

Auf dieser Perspektive aufbauend unterstützt Quail Group Organisationen dabei, Reporting, Management von Verhaltensänderungen, organisatorische Ausrichtung und Prozesseffizienz in einem einheitlichen operativen Rahmen zu verbinden. Die Beraterinnen und Berater arbeiten mit Kundinnen und Kunden daran, wartbare Daten- und Insight-Dashboards zu entwickeln, die Einbindung von Stakeholdern zu stärken, Arbeitsabläufe zu verfeinern und stärkere Verbindungen zwischen strategischen Prioritäten und der täglichen Umsetzung zu schaffen. Durch diese Arbeit will das Team Organisationen dabei helfen, Informationen in praxisnahe Entscheidungen zu übersetzen, die Mitarbeitende mit größerem Vertrauen anwenden können.

Während sich die Diskussionen über KI, Arbeitsplatzflexibilität, Wohlbefinden der Beschäftigten und Produktivität weiterentwickeln, könnten Organisationen zunehmend davon profitieren, die Entscheidungen näher zu betrachten, die den Arbeitsalltag prägen. Technologie wird den Zugang zu Informationen weiter ausbauen, doch nachhaltiger Fortschritt hängt oft davon ab, Menschen bei drei Kernaspekten zu unterstützen: zu erkennen, welche Informationen wichtig sind, wer welche Entscheidung verantwortet und wie diese Entscheidungen zu den übergeordneten Zielen der Organisation beitragen. Nach den Erfahrungen von Quail Group könnte Produktivität künftig immer stärker bedeuten, bessere Entscheidungen in der gesamten Organisation zu ermöglichen.