Zur Erfassung der Arbeitszeit: GEW will Lehrkräften jetzt eigene App bereitstellen - News4teachers
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BERLIN. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin will zum Beginn des neuen Schuljahres ein eigenes digitales Instrument zur Arbeitszeiterfassung für Lehrkräfte vorstellen. Beschäftigte sollen damit ihre tatsächlich geleistete Arbeitszeit dokumentieren und so Ansprüche wegen unbezahlter Mehrarbeit systematisch geltend machen können. Die Ankündigung verschärft den Konflikt mit der Berliner Bildungsverwaltung, die bislang kein verbindliches Verfahren zur Arbeitszeiterfassung eingeführt hat.

Nach Angaben der Gewerkschaft soll die App den Lehrkräften ermöglichen, ihre Arbeitszeiten eigenständig zu erfassen und Überschreitungen der vorgesehenen Arbeitszeit nachvollziehbar zu dokumentieren. Wie das Tool genau funktioniert, soll auf einer Pressekonferenz am 18. August vorgestellt werden. Zugleich bereitet die GEW nach eigenen Angaben Musterverfahren vor, um Ansprüche ihrer Mitglieder rechtlich durchzusetzen.
„Die Senatsverwaltung kann das Thema nicht länger aussitzen. Wir schaffen jetzt konkrete Wege, damit Kolleg*innen ihre Arbeitszeit sichtbar machen und ihre Ansprüche geltend machen können. Wenn das Land Berlin keinen verbindlichen Weg zur Erfassung eröffnet, werden wir unseren Mitgliedern diese Möglichkeit geben“, erklärt Sven Dudkowiak, Leiter des Vorstandsbereichs Beamten-, Angestellten- und Tarifpolitik der GEW Berlin.
Hintergrund der Auseinandersetzung ist eine Arbeitszeitstudie der Universität Göttingen, die vor gut einem Jahr mit Unterstützung der GEW vorgestellt wurde. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass Berliner Lehrkräfte im Durchschnitt rund 100 Stunden pro Jahr mehr arbeiten als der für Landesbeschäftigte vorgesehenen Jahresarbeitszeit entspricht. Nach Berechnungen der Studienautoren summiert sich die unbezahlte Mehrarbeit auf mehr als zwei Millionen Stunden jährlich; rechnerisch wären mehr als 1.300 zusätzliche Vollzeitstellen erforderlich, um sie auszugleichen.
Die Untersuchung zeigte außerdem, dass während der Unterrichtswochen rund 30 Prozent der vollzeitbeschäftigten Lehrkräfte regelmäßig die gesetzliche Arbeitsschutzgrenze von 48 Wochenstunden überschreiten. Insgesamt leisten den Ergebnissen zufolge 64 Prozent der Lehrkräfte mehr Arbeit als vorgesehen. Besonders betroffen sind neben Schulleitungen und Gymnasiallehrkräften auch Teilzeitbeschäftigte.
Die GEW wirft der Berliner Bildungsverwaltung vor, trotz dieser Ergebnisse bislang weder ein Pilotprojekt noch ein verbindliches Verfahren zur Arbeitszeiterfassung eingeführt zu haben. Bereits seit einigen Monaten stellt die Gewerkschaft ihren Mitgliedern ein Aufforderungsschreiben zur Verfügung, mit dem sie Ansprüche auf erfasste Mehrarbeit gegenüber dem Arbeitgeber anmelden können. Mit dem angekündigten Instrument zum Schuljahresbeginn soll nun auch die Dokumentation der Arbeitszeit erleichtert werden.
Parallel dazu läuft ein personalvertretungsrechtliches Verfahren. Nach Angaben der GEW hatte der von ihr geführte Personalrat der allgemeinbildenden Schulen in Tempelhof-Schöneberg einen Initiativantrag zur Einführung einer verbindlichen Arbeitszeiterfassung gestellt. Nachdem die Senatsverwaltung dem Antrag nicht gefolgt sei, werde die Angelegenheit nun vor der Einigungsstelle verhandelt.
Die Debatte reicht allerdings über Berlin hinaus. Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesarbeitsgerichts verpflichten Arbeitgeber grundsätzlich dazu, Arbeitszeiten systematisch zu erfassen. Wie diese Vorgaben an Schulen umgesetzt werden sollen, ist bundesweit weiterhin offen. Bremen startet zum Schuljahresbeginn 2026/27 als erstes Bundesland ein Pilotprojekt zur digitalen Arbeitszeiterfassung an ausgewählten Schulen. News4teachers
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