Brisantes Treffen in den USA: Was der US-Präsident jetzt mit Selenskyj und Netanjahu bespricht

Zwei Kriege im Fokus: Trump trifft Netanjahu und Selenskyj – Trauerfeier wird zum Gipfel

Stand: 28.07.2026, 07:46 Uhr

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In den USA wird heute des Senators Lindsey Graham gedacht. Netanjahu und Selenskyj reisen an. Bei den Treffen mit Trump geht es um mehr als nur Worte.

Washington, DC – Eine Trauerfeier wird zum Gipfeltreffen: In den USA wird heute des am 11. Juli verstorbenen US-Senators Lindsey Graham gedacht. Der Republikaner war einer der einflussreichsten Außenpolitiker der USA. Wie weit Grahams Einfluss reichte, zeigt auch die Gästeliste: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wollen vor Ort sein. Für beide war Graham ein einflussreicher Verbündeter. In der Außenpolitik hatte er stets eine harte Linie gegenüber Russland und dem Iran vertreten.

US-Präsident Donald Trump hält an der Wheeler High School eine Rede.

US-Präsident Donald Trump erwartet zwei hochrangige Gäste: Wolodymyr Selenskyj und Benjamin Netanjahu. © Julia Demaree Nikhinson/dpa

Für Netanjahu und Selenskyj ist der Besuch eine willkommene Gelegenheit, US-Präsident Donald Trump zu treffen. Dessen Wohlwollen ist für beide wichtig. Differenzen im Iran-Krieg haben das einst gute Verhältnis von Netanjahu und Trump deutlich getrübt. Aus Israel kamen wiederholt skeptische Töne zu den US-Verhandlungen mit Teheran. Derweil haben sich die Beziehungen zwischen Trump und Selenskyj zuletzt verbessert, der US-Präsident lobte den Ukrainer als „mutig“ im Kampf gegen Russland.

Netanjahu und Trump: Erstes Treffen seit Beginn des Iran-Kriegs

Trump hat Netanjahu zuletzt im Februar im Weißen Haus empfangen. Im Zentrum der Gespräche stand damals der Umgang mit dem Iran. Rund zweieinhalb Wochen später starteten die USA und Israel ihre gemeinsamen Angriffe gegen das Mullah-Regime in Teheran. In den vergangenen fünf Monaten sind zunehmend unterschiedliche Interessen der USA und Israels sichtbar geworden. Während Israel den Iran-Krieg Medienberichten zufolge fortsetzen möchte, lag Trumps Fokus zuletzt lange auf einer diplomatischen Lösung. 

Nach der jüngsten Eskalation in dem Krieg sind jedoch die vereinbarte Waffenruhe und das Rahmenabkommen der Trump-Regierung mit dem Mullah-Regime aktuell Geschichte. Für Trump ist das ein Problem: In knapp 100 Tagen stehen die wichtigen Midterms an. Der Iran-Krieg ist im eigenen Land unbeliebt – und einige in den USA machen Netanjahu dafür verantwortlich, Trump dazu überredet zu haben. Zugleich ist es für Netanjahu vor der richtungsweisenden Wahl in Israel im Oktober entscheidend, eine geschlossene Front mit Trump zu präsentieren. 

Worum es Netanjahu bei Trump gehen könnte

Netanjahu machte zu Beginn seiner US-Reise klar, wichtigstes Thema bei dem Treffen mit Trump werde der Iran sein. Der israelische TV-Sender N12 berichtete, Netanjahu wolle Trump Geheimdienstinformationen über mutmaßliche Bestrebungen des Irans vorlegen, seine militärischen Fähigkeiten wiederaufzubauen. Medienberichten zufolge könnte Netanjahu den US-Präsidenten auch um „grünes Licht“ für neue Angriffe Israels im Iran bitten. 

Ein weiterer Konfliktpunkt ist der mögliche Verkauf von US-Kampfjets des Typs F-35 an die Türkei. Allerdings hat Trump hier bereits ein Machtwort gesprochen: „Niemand schreibt mir vor, an wen wir etwas verkaufen sollen“, sagte Trump an Bord des Regierungsfliegers Air Force One auf eine entsprechende Frage eines Reporters. Netanjahu hatte zuvor deutlich gemacht, dass er eine Lieferung der modernen Kampfjets an die Türkei ablehnt.

Präsident Donald Trump spricht mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in der Knesset, dem israelischen Parlament.

Wichtigstes Thema beim Treffen zwischen Donald Trump und Benjamin Netanjahu wird der Iran sein. © Evelyn Hockstein/dpa

Selenskyj und Trump: Mehrere Treffen in den vergangenen Wochen

Trump und Selenskyj haben sich in den vergangenen Wochen häufiger gesehen: Anfang des Monats beim NATO-Gipfel in Ankara und Mitte Juni beim G-7-Gipfel im französischen Évian. Bei beiden Gipfeln trugen die USA auch gemeinsame Positionen zum Ukraine-Krieg mit. In den vergangenen Monaten konzentrierte sich sein Fokus allerdings wesentlich stärker auf den eigenen Krieg im Iran. 

Wenn Selenskyj in die USA kommt, werden unweigerlich Erinnerungen an den Eklat aus dem Februar 2025 wach. Damals hatte Trump seinen ukrainischen Kollegen bei einem Treffen im Weißen Haus öffentlich gedemütigt. Danach besserten sich die Beziehungen der beiden sichtlich. Der Wendepunkt war laut Selenskyj ein kurzes Gespräch im Vatikan im April 2025. „Das war ein historischer Moment, da wir unsere Beziehung in 15, 20 Minuten änderten“, sagte Selenskyj der rechten US-Influencerin Laura Loomer kürzlich in einem Interview in Kiew. Er sei sehr froh darüber, da von seinem Dialog mit Trump sehr viele Leben abhingen.

US-Präsident Donald Trump (r) trifft den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Oval Office des Weißen Hauses.

Wenn Selenskyj in die USA kommt, werden unweigerlich Erinnerungen an den Eklat aus dem Februar 2025 wach. © Mystyslav Chernov/dpa

Worum es Selenskyj bei Trump gehen könnte

Kurz vor dessen Tod sprach Selenskyj in Kiew auch noch mit dem Trump-Verbündeten Graham. Der Senator verkündete dort Unterstützung des Weißen Hauses für ein neues Sanktionspaket gegen Russland. Die Initiative richtet sich unter anderem gegen Länder, die russische Energieträger importieren und damit helfen, den Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren. Das Paket steckt schon lange im US-Senat fest. Nach dem Tod Grahams versuchen mehrere Senatoren, das zentrale Anliegen ihres gestorbenen Kollegen zum Abschluss zu bringen. Kiew sieht hier eine Möglichkeit, den Druck auf Russland zu erhöhen.

Neben den Sanktionen sind für Selenskyj vor dem kommenden Winter neue Lieferungen von Patriot-Flugabwehrraketen relevant. Zwar steht Kiew vor dem Erhalt einer Produktionslizenz für diese Flugkörper. Doch wird die Einrichtung einer Produktion in der Ukraine noch Monate in Anspruch nehmen und die Produktionszahlen werden den ukrainischen Bedarf angesichts des steigenden russischen Raketenbeschusses kaum decken können. Mitte Juli hatte Selenskyj als Mindestbedarf 300 dieser Raketen für die drei Wintermonate angegeben. Jedoch kämpfen die USA Medienberichten zufolge aktuell selbst mit schwindenden Reserven an Luftabwehr-Munition im eigenen Krieg gegen den Iran. (Quellen: dpa, AFP) (cs)