Zwei Siegergeschichten: Auf Leihbasis und mit Tetris zum Erfolg | Kleine Zeitung

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Beim Kraigersee Triathlon schrieben Zweifach-Mama Lisa Watschinger (34) und Jan Schiebl (25) ihre ganz eigenen Siegergeschichten.

Lisa Watschinger mit ihren Kindern Sophia und Samuel

© Sports Event Photos

Lisa Watschinger mit ihren Kindern Sophia und Samuel

Denise Maryodnig

Denise Maryodnig

vor 18 Minuten

24. August 2026 um 18:30

Manchmal braucht es kein Hightech-Rad, um ein Rennen zu gewinnen. Gelegentlich genügt ein 15 Jahre altes Rad – und ein Athlet, den selbst Widrigkeiten nicht beirren. Jan Schiebl erlebte beim Kraigersee Triathlon (750m Schwimmen, 20km Radfahren und 5km Laufen) genau so einen Renntag. Der 25-Jährige hatte sein Zeitfahrrad mitgebracht – und damit das falsche Material. Ein kleines Detail in der Ausschreibung, das der Sport- und Geschichtsstudent übersehen hatte.

„Es war ein turbulenter Kurzurlaub. Die Sache mit dem Rad hat mich etwas gestresst.“ Viel Zeit, sich über den eigenen Fauxpas zu ärgern, blieb nicht. Die Uhr tickte. Gerade einmal fünf Minuten vor Ende des Eincheckens stellte ihm ein Staffelfahrer kurzerhand sein Rad zur Verfügung. Immerhin: Die Sitzposition war nahezu optimal. Nur musste er zunächst doch etwas improvisieren, seine Utensilien waren noch nicht am geliehenen Rad befestigt – auch Trinkflasche war keine da. „Zum Glück war es nicht so heiß.“

Doch spätestens am ersten Anstieg war von Improvisation gar nichts mehr zu sehen. Der Kremser setzte sich von der Konkurrenz ab und legte den Grundstein für seinen späteren Sieg. „Am Schluss meinte der Staffelfahrer, dass er vielleicht jetzt Ärger bekommt, weil er einem Niederösterreicher zum Sieg verholfen hat“, erzählt Schiebl mit einem Schmunzeln.

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Jan Schiebl holte sich den Sieg

Jan Schiebl holte sich den Sieg © Kraigersee Triathlon

Die Geschichte zeigt auf sympathische Weise, dass Triathlon nicht ausschließlich eine Materialschlacht ist. Sicher kann ein perfektes Equipment den Unterschied machen, doch am Ende braucht es den Willen und die Bereitschaft, aus jeder Situation das Beste zu machen. Und in diesem Fall kam noch etwas Entscheidendes hinzu: Hilfsbereitschaft. Ohne die spontane Aktion des Staffelteilnehmers, die Unterstützung des gesamten Organisationsteams und Triathlon-Ass Gabi Obmann, die Schiebl in der Wechselzone beistand und aus gesundheitlichen Gründen pausiert, wäre der Start wohl nicht möglich gewesen.

„Am Sonntag suche ich die Lücken, wo ich etwas reinbasteln kann“

Beeindruckend ist auch die Geschichte hinter dem Sieg bei den Damen: Der Wahl-Kärntnerin Lisa Watschinger gelang die erfolgreiche Titelverteidigung – und das als Zweifach-Mama von Sophia (7) und Samuel (5) sowie neben ihrem Beruf als Physiotherapeutin. „Ich bin Teilzeit im Kurbad Eisenkappel angestellt und habe in Gallizien meine Praxis. Das ist praktisch, da ich Stabi- und Mobilisationseinheiten im Zuge meiner Arbeit erledigen kann.“ Sie sei zwar weit entfernt von einem Profi, „aber im Amateurbereich weiß ich, dass man mich auf der Rechnung haben muss, wenn keine absoluten Kapazunder am Start stehen.“ Im Vorjahr hatte sie sich mit Obmann bis zur letzten Sekunde einen packenden Fight geliefert. „Das gesamte Rennen über haben wir uns quasi ‚bekriegt‘. Schade, dass sie heuer nicht dabei war“, verdeutlicht Watschinger, die sich mit ihrem Sieg zugleich auch den Kärntner Meistertitel sicherte – ebenso wie Christoph Lorber bei den Herren.

Lisa Watschinger in Aktion

© Kraigersee Triathlon

Lisa Watschinger in Aktion

Auf die Frage, wie sie alles unter einen Hut bekommt, verriet sie: „Es ist mein persönliches Tetris-Spielen. Ich habe einen riesigen Wochenplan. Am Sonntag suche ich die Lücken, wo ich etwas reinbasteln kann.“ Die 34-Jährige ist eigentlich Langdistanz-Spezialistin und trainiert im Schnitt zwölf Stunden pro Woche. Allerdings oft in geblockten Einheiten: „In der Zeit, in der meine Kinder bei mir sind, muss ich alles rund um Familie, Job und Training schupfen.“ Dass die Schule demnächst wieder losgeht, ist kein Nachteil. „Im Sommer gibt es viel zu jonglieren. Wobei es da vielen Familien gleich geht“, sagt die gebürtige Südtirolerin, die vor 25 Jahren ihre Leidenschaft für den Triathlonsport entdeckte. „Ich war ein neugieriges Kind und wollte viel ausprobieren.“

Zeit zum Verschnaufen bleibt ohnehin nicht wirklich: Das nächste große Highlight wartet bereits in zwei Wochen mit dem Triathlon in Podersdorf – jener Ort, an dem sie 2014 ihre erste Langdistanz absolvierte. Und 2027? „Da werde ich zum dritten Mal beim Ironman Austria in Klagenfurt starten.“

Kärntner Meister Sprintdistanz

Junioren: Maximilian Mosshammer, Sophie di Bernardo U23: Benedikt Hipfl, Rosa Trinkl 24-29: Raphael Grimminger 30-34: Paul Fleiss, Lisa Watschinger 35-39: Andrii Onyshchenko, Kathrin Semmelrock-Guggi 40-44: Christoph Lorber, Kerstin Skof-Kneschar 45-49: Markus Polka, Nathalie Christian 50-54: Christian Pichler-Klary, Silke Klaming 55-59: Andreas Petschar 60-64: Egon Sulics, Gitta Mori 65-69: Wilhelm Mack 70-74: Teodor Pichler.